Unsere Hauptstrasse - früher
Rund 60 Personen nahmen an dem Erzählcafé über „Die Hauptstrasse früher in Müllheim“ teil. Die grosse Schar sorgte aufgrund ihres Interesses für eine lebendige und herzliche Atmosphäre
Wie gross das Interesse an den Erinnerungen und Geschichten aus früheren Zeiten war, das zeigte sich schon bei den angeregten Gesprächen beim Eintreffen der Teilnehmenden. Bei frischen Getränken und feinem Kuchen (durch die Glaubensgruppe gebacken) entstanden zahlreiche Gespräche, und viele alte Bekanntschaften wurden wieder in Erinnerung gerufen.
Im Mittelpunkt des Abends standen persönliche Erlebnisse und Erinnerungen rund um die Hauptstrasse und das Dorfleben von früher in Müllheim. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer erzählten von ihrer Schulzeit, von den Erlebnissen als Kinder und Jugendliche im Dorf. Dabei wurden Geschichtenausgetauscht, die manches Schmunzeln auslösten. Man erinnerte sich an die Lehrerinnen und Lehrer, die man hatte, an den Schulalltag und an die vielen Begegnungen entlang der Hauptstrasse, die deutlich ruhiger und überschaubarer war als heute.
Mit grossem Interesse wurde auch über die früheren Geschäfte und Handwerksbetriebe gesprochen. Besonders eindrücklich die Erzählungen über die Hutmacherin Frau Gilomen oder die Papeterie «Zur Glocke». Diese Geschäfte sind Vielen noch in bester Erinnerung. Diese und weitere kleine Fachgeschäfte gehörten damals wie selbstverständlich zum Dorfbild und prägten das Leben im Ort.
Auch das Hotel Krone war ein wichtiges Thema. Aber nur noch wenige Besucherinnen und Besucher erinnerten sich an die Zeit, als das Hotel einer der gesellschaftlichen Mittelpunkte im Dorf war, ehe es von Familie Stuber als Wohnhaus umgebaut wurde.
Viele Gespräche drehten sich um Häuser und Gebäude entlang der Hauptstrasse, die heute nicht mehr bestehen oder sich stark verändert haben. Dabei wurden frühere Hausnamen erwähnt und Erinnerungen an die damaligen Bewohnerinnen und Bewohner wachgerufen. Besonders angeführt wurden auch das katholische Pfarrhaus sowie die evangelische Kirche, die beide über viele Jahre das Dorfbild und das gesellschaftliche Leben mitgeprägt haben. Die Teilnehmenden erzählten von kirchlichen Anlässen, Begegnungen und Ereignissen, die eng mit der Kirche verbunden waren.
Auch die 1915 gegründete Firma UTILIS wurde mehrfach erwähnt. Einige erinnerten sich daran, wie das Gebäude im Lauf der Jahre ebenso erweitert und umgebaut wurde wie der VOLG mit integrierten öffentlichen Tiefgefrierfächern, öffentlich zugängliche Waschautomaten. Auch der wichtige Dreh- und Angelpunt bäuerlichen Lebens wurde erwähnt, die Landi. Nicht vergessen wurde das Kaufhaus Riesen - sogar einmal Jelmoli und jetzt Hausammann/Helbock AG.
All diese Veränderungen machen deutlich, wie sich Müllheim stetig weiterentwickelt hat und wie sich die Bedürfnisse der Bevölkerung verändert haben.
Spannend war zudem der Austausch darüber, wie sich das Leben an der Hauptstrasse im Lauf der Jahrzehnte verändert hat. Früher kannte fast jeder jeden, die Geschäfte waren kleiner und persönlicher und viele Wege wurden zu Fuss oder mit dem Velo zurückgelegt. Die Erzählungen vermittelten ein lebendiges Bild vergangenen Alltags und vermittelten anschaulich, wie eng die Dorfgemeinschaft miteinander verbunden war.
Damit zeigte das Erzählcafé eindrücklich, wie wertvoll persönliche Erinnerungen und Geschichten für die Dorfgeschichte sind. Die Teilnehmenden schätzten den offenen Austausch und die Möglichkeit, gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen. Zugleich machten die Gespräche deutlich, wie stark die Verbundenheit mit dem Dorf und seiner Geschichte heute ist.
Der nächste Anlass im September wird von einigen jetzt schon mit Spannung erwartet.
Müllheim, 26. Mal 2026 / Ursi Herzog