Rückblick Seniorennachmittag vom 21. Februar 2019

Bild_Seniorennachmittag 21.02.2019_01<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>evang-muellheim.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>119</div><div class='bid' style='display:none;'>2081</div><div class='usr' style='display:none;'>38</div>

Lichtbildervortrag Armenien
mit Pfarrer Peter Keller


Erzählungen über das älteste christliche Land der Welt, welches er bereist hat.

Bei unserm Februar Seniorennachmittag erzählte uns Herr Pfarrer Peter Keller mit einem spannenden Lichtbildervortrag über seine Reise nach Armenien. Dank seinem enormen und fundierten Wissen zog er jedermann in seinen Bann und die Zeit verging viel zu schnell. Armenien ist heute ein Binnenstaat im Kaukasus, flächenmässig ca. 28'800 km2 gross und mit ca. 3 Millionen Einwohnern. In seiner Glanzzeit reichte das Territorium vom Kaspischen bis zum Mittelmeer. Im ersten Weltkrieg kam es durch die Türken zu einem Genozid an den Armeniern und sie wurden aus Anatolien (Türkei) vertrieben, man geht von ca. 1.5 Millionen Toten aus. Der Grossteil der Armenier lebt heute weltweit verstreut in der Diaspora, man schätzt ca. 7 Millionen. Armenien ist ein Gebirgsland, 90% liegen mehr als 1000m üM. 1920 wurde Armenien zwischen der Türkei und der Sowjetunion aufgeteilt. Der sowjetische Teil wurde eine Sowjetrepublik und entsprich der heutigen Republik Armenien, die beim Zerfall der UDSSR 1991 die Unabhängigkeit erhielt. Seit dem Zusammenbruch der UDSSR gibt es mit dem Nachbar Aserbaidschan (Religion Islam) wegen Bergkarabach, dessen Bevölkerung grossenteil armenische Christen sind, bis heute Kriege und Auseinandersetzungen. Die Hauptstadt von Armenien, Eriwan (Jerewan) ist bei uns vor allem durch die Radio Eriwan Witze bekannt.
Frage an Radio Eriwan:
Hätte die Katastrophe von Tschernobyl vermieden werden können?
– Im Prinzip ja, wenn nur die Schweden nicht alles ausgeplaudert hätten.


Berg Ararat mit Kloster Chor Virap
Das Kloster Chor Virap liegt nahe der türkischen Grenze, jedoch der für Armenier heilige Berg Ararat liegt heute auf türkischem Gebiet, in Ostanatolien (Provinz Agri). Der Ararat ist ein erloschener Vulkan und mit 5'137 m der höchste Berg der Türkei. Nach biblischer Erzählung ist die Arche Noah auf dem Berg gelandet.

Kloster Tatev in der Provinz Sjunik
Das Kloster wurde im 9. Jahrhundert erbaut und liegt über der Worotan Schlucht. Seit 2010 ist das Kloster mit einer Seilbahn über die Schlucht mit dem Ort Halidsor verbunden. Die Seilbahn ist mit 5750 Metern die längste in einer Sektion mit durchgehendem Tragseil ausgeführte Pendelbahn der Welt.

Kreuzstein (Chatschkar)
Armenien, Land der Kreuze. Der Kreuzstein ist in der Armenischen Kirche ein kunstvoll behauener Gedächtnisstein mit einem Reliefkreuz in der Mitte, ohne die bei uns übliche Christusfigur am Kreuz. Von denen gibt es in Armenien tausende (man spricht von 40'000). Sie sind Sinnbild für Erlösung und Kreuzigung. Jeder Stein ist praktisch ein Unikat.

Kathedrale von Etschmiadsin
Die erste Kathedrale wurde von Gregor der Erleuchter (Apostel Gregor) nach der Taufe von König Trdat III im Jahr 301 auf den Fundamenten eines heidnischen Tempels erbaut und gilt als erste vom Staat erbaute Kirche. Bereits diese Kathedrale hatte eine Kuppel, also beherrschten die Armenier schon damals den Kuppelbau. Mit der Zeit wurde sie mehrmals umgebaut und erweitert. Im 17. Jahrhundert wurde sie grundlegend restauriert und seit dem Jahr 2000 als UNESCO Weltkulturerbe gelistet.
Geschichtliche Erzählung:
Laut dieser Erzählung floh ein junger Trdat (der spätere Trdat III) vor den Sassaniden, die in Armenien einfallen (etwa im Jahr 252) und seinen Vater Chosrau ermorden, zu den Römern nach Kappadokien (heutige Türkei). Dort trifft er auf Gregor (später Gregor der Erleuchter), dessen Vater den Vater Trdats ermordet hatte. Dort diente Prinz Trdat unter dem römischen Kaiser Diokletian, besiegt im heldenhaften Zweikampf einen Gotenfürsten, und erhält schließlich als Dank Armenien zurück, wo er den heidnischen Göttern dient und die Christen verfolgt. Auch Gregor der Erleuchter wird eines seiner Opfer. Er wird gemartert, verurteilt und den hungrigen Löwen zum Frass vorgeworfen, die ihn aber nicht frassen und schliesslich in einem Höhlenverlies im Klosters Chor Virap eingesperrt. Dort bleibt er 13 Jahre lang, da er sich weigert, der Göttin Anahita zu opfern. Als Trdat an einem für unheilbar gehaltenen, entstellenden Hautleiden erkrankt, erinnert er sich an Gregor und seinen Glauben. Er holt Gregor aus dem Verlies und wird von ihm geheilt. Aus Dankbarkeit und Überzeugung lässt er sich von Gregor dem Erleuchter zum Christentum bekehren und taufen, laut armenischer Überlieferung im Jahr 301 (historische Forschungen glauben, dass es das Jahr 314 war). Daraufhin erklärte er das Christentum zur Staatsreligion. Somit wurde Armenien der erste christliche Staat der Welt. Die Armenische Apostolische Kirche feierte im September 2001 ihr 1700 jähriges Bestehen.


Armenische apostolische Kirche
In der Armenisch Apostolischen Kirche dienen verheiratete sowie zölibatäre Priester. Diese letzteren werden Abegha („Priestermönche“) genannt und tragen eine schwarze kapuzenförmige Kopfbede-ckung, genannt Veghar, die die Herrschaft der Kirche über sie symbolisiert. Bischöfe, Erzbischöfe und die Katholikoi (Oberhaupt der Kirche, Patriarch) werden aus den Reihen der zölibatären Priester beru-fen.

Oskar Stutz


Verantwortlich: Sabina Christen     Bereitgestellt: 11.03.2019     Besuche: 26 Monat 
aktualisiert mit kirchenweb.ch